Hilfe für "Rudi"
Die Schülerzeitung der Rudolf-Wissell-Grundschule kann sich kein Papier leisten. Berliner helfen e.V. unterstützt die Redaktion
Berliner Morgenpost vom 06.03.2010
Berlin - In der Konferenz wird heiß diskutiert. Chefredakteurin Jasmin (11) ergreift das Wort: „Wir sollten was ändern, mehr ein Jugendmagazin sein - so ähnlich wie die Bravo.“
Die Jungs finden Beiträge über Popsternchen wie Lady Gaga und Kesha nicht so spannend. Aber Jasmin hat am PC schon viel darüber geschrieben. Die vierte Ausgabe der Schülerzeitung „Rudi“ an der Rudolf-Wissell-Grundschule in Wedding nimmt bereits konkrete Formen an. Schließlich geben die Jungs klein bei. „Die Sportgeschichten aus der Umgebung sind aber auch wichtig“, sagt Momo, mitverantwortlich für den Vertrieb. Auf dem Tisch liegen Layout-Entwürfe herum - auf dem obersten steht „Lehrertest: Erfahren Sie, ob die Schüler Sie lieben“. 16 DIN-A5-Seiten hat eine Ausgabe. Die Auflage von 800 Stück wird am Gesundbrunnen auf der Straße für 10 Cent verteilt, in der Schule kostenlos - für alle 570 Schüler. „Viele von ihnen konnten sich das nicht leisten“, sagt Jasmin. Und der Schul-Förderverein, der helfen könnte, hat erst eine einzige Mutter als Mitglied.
Aber so schnell gab die Redaktion nicht auf und schrieb an die Morgenpost. Berliner helfen e.V. spendet nun 1500 Euro „Papier“-Geld. Das findet die „Rudi“-Redaktion „echt cool“. Fünf feste Mitglieder gibt es. Beyza (11) ist stellvertretende Chefredakteurin. Hilal ist Chef vom Dienst. „Die Papierspende hilft total, wir sind erstmal gerettet sozusagen“, sagt er. Der Elfjährige hat alles im Blick: die Themen, die Produktion, den Vertrieb. Jussef und Mohammed, genannt Momo, kümmern sich um Produktion und Vertrieb. Jussef hat den Bereich nahezu optimiert: Alles ausdrucken, einer sortiert, einer faltet, einer tackert. „So sparen wir viel Zeit und Stress“, erklärt er. Drei Neue, Tamina, Sevcan und Nihan, haben zwar noch nichts geschrieben, möchten aber mal zugucken. Alle Eltern stammen aus Afghanistan, der Türkei, dem Libanon, Syrien, sind Kurden oder Palestinenser. „Rudi macht Spaß, weil wir an etwas dran bleiben können. Wie die Erwachsenen“, sagt Momo.
Die Themen denken sie sich selbst aus oder finden sie im „Rudi“-Briefkasten. Dort werfen Mitschüler Zettel hinein: Ideen, Gedichte, Berichte. Die Redaktion beschließt, was gedruckt wird. Sie trifft sich einmal pro Woche während einer Unterrichtsstunde. Der Schulleiter hat das erlaubt - er steht voll hinter ihnen. Ihr Betreuer ist Günter Schanzmann, der 75-jährige pensionierte Sozialarbeiter engagiert sich ehrenamtlich für die Schule und hilft unter anderem auch bei „Rudi“ mit. „Die meisten Schülerzeitungen gibt es nur in Oberschulen“, sagt er, „aber Schreiben und Lesen sind so wichtige Grundfertigkeiten. Schon in der Grundschule ist eine Schülerzeitung enorm wichtig.“ kbe

